Fallschirmjäger verteidigen kritische Infrastruktur
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Ein Fluss, Brücken, ein Industriegebiet, Häuser, ein Flugplatz und eine U-Bahn: In der Übungsstadt Schnöggersburg trainiert das Fallschirmjägerregiment 26 die Operationsart Verteidigung. Der Schutz des urbanen Raumes ist sein Auftrag. Mehr als 1.200 Soldatinnen und Soldaten, dazu österreichische Jagdkampfspezialisten, setzt die Luftlandebrigade 1 bei der Übung Komet 26 ein.

Das Gefechtsübungszentrum Heer in der Letzlinger Heide bietet mit der Übungsstadt Schnöggersburg ideale Voraussetzungen, wenn es um Landes- und Bündnisverteidigung geht. Sie gehört zu den modernsten Ausbildungseinrichtungen für Streitkräfte in ganz Europa.
Simulationssysteme verfolgen die Truppe in Echtzeit: Bewegungen, Feuerkampf, Sprech- und Datenfunk werden aufgezeichnet. In der Auswertung können die Übungsteilnehmenden ihr taktisches Verhalten rekapitulieren und einordnen – sowohl in der Gruppe als auch individuell. Schiedsrichter sind immer bei der Truppe und begleiten den Übungsbetrieb.

„Die Fallschirmjäger verteidigen den urbanen Raum Schnöggersburg gegen einen mechanisierten Feind. Das Szenario ist realistisch und sehr anspruchsvoll. Wir setzen erstmalig einen schweren Drohnen-Kampfzug ein und erproben neue Ansätze. Ich erwarte von meinen Soldatinnen und Soldaten Leistung, Haltung und Einsatz. Dazu den Willen, Dinge umzusetzen, zu lernen und Dinge besser zu machen. Wir geben Vollgas und entwickeln uns weiter.“
Auch Pioniere und Aufklärer im Einsatz

„Schutz von KRITIS“ ist bei Komet 26 der Hauptauftrag für die Kompaniechefs. Gemeint ist damit der Schutz von kritischer Infrastruktur. Ein Ausbildungsthema, das wie gemacht ist für die Gefechtsart Verteidigung und militärisch weltweit topaktuell. In die Übung fließen Erkenntnisse aus aktuellen Konflikten und dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ein.
Schnöggersburg, die größte künstliche Übungsstadt Europas, umfasst 520 Gebäude auf einer Fläche von rund 900 Fußballfeldern. Dadurch wirken die Szenarien sehr real. Soldatinnen und Soldaten aus mehr als vier Kompanien haben die Stadt in Sektoren aufgeteilt und richten sich auf die Verteidigung ein. Dabei arbeiten die Kompaniechefs der Fallschirmjäger eng mit den Soldaten der Luftlandepionierkompanie 260 wie auch der Luftlandeaufklärungskompanie 260 zusammen.
Pioniere verstärken das Gelände, bauen Barrikaden. Verlege-, Richt- oder Wurfminensperren sind geplant und angelegt. Hauptzufahrten und die Autobahn sind dicht, und Barrikaden machen Häuserengen zu Sackgassen. Schon in der Phase der Vorbereitung kommen Drohnen der Aufklärer zum Einsatz. Die Aufklärung erkennt, wo der Gegner ist und wie stark er ist. Je besser die Verteidigung vorbereitet ist, desto schwerer hat es der Angreifer im Kampf.
Das Fallschirmjägerregiment 26 geht hier einen neuen Weg. In einem schweren Drohnenkampfzug sind zunächst Aufklärungsdrohnen für den Nahbereich wie auch Kampf- oder Abwehrdrohnen zusammengefasst. Je nach den taktischen Erfordernissen greifen die Kompaniechefs auf diese Fähigkeit zurück.
Kampf um Schnöggersburg
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In urbanem Gelände verzahnen sich Angreifer (Foto) und Verteidiger sehr schnell. Das erhöht den Druck, das Gefecht wird sehr schnell. Jeder muss den Überblick behalten. Bundeswehr/Bill Drechsler -

Die Black Hornet 4 ist eine Minidrohne zur Aufklärung in der direkten Umgebung. Sie ist so groß wie eine Amsel und aus mehreren Metern Entfernung kaum noch zu sehen. Bundeswehr/Bill Drechsler -

Panzerstark dringt der Feind mit Kampfpanzern in Schnöggersburg ein. Hinter jeder Ecke könnten Panzerabwehrtrupps in Stellung gehen. Bundeswehr/Bill Drechsler -

Das realitätsnahe Training im Gefechtsübungszentrum führt zu einem intensiven Lerneffekt bei den Soldatinnen und Soldaten und steigert den Erfolg der Ausbildung. Bundeswehr/Bill Drechsler -

Die Übungsstadt Schnöggersburg ist in ihrer Art einzigartig. Sie vermittelt den Eindruck moderner realer Infrastruktur. Die Fallschirmjäger kämpfen also in einem typischen urbanen Umfeld. Bundeswehr/Bill Drechsler
Der Angriff erfolgt
Der Gegner geht bei seinem Angriff auf volles Risiko. Über große Freiflächen sehr schnell und panzerstark rückt er mit Artilleriefeuer auf die Stadt vor. An der Stadtgrenze verzahnen sich Angreifer und Verteidiger. Mühsam werden Gebäude freigekämpft oder auch wieder preisgegeben.
Für die Fallschirmjäger ist die Verteidigung äußerst komplex. Sie müssen auf die Angreifer reagieren. Ziel ist es, diese zu stoppen und bestenfalls zu zerschlagen. Dabei gibt es vieles zu beachten: Sicherung, Fühlung zum Feind, Feuer und Bewegung, Einsatz der Artillerie und das Koordinieren von Kräften, Raum und Zeit.

Für die Soldatinnen und Soldaten am Boden kommt in dieser Übung eine ganz neue Dimension dazu: Fast rund um die Uhr sind Drohnen über ihnen am Himmel. Auch und gerade im Gefecht, also in der heißen Phase, fliegen sie immer wieder Flugmanöver gegen die Angreifer. „Im Grunde setzen wir die Drohnen zu zwei unterschiedlichen Zwecken ein. In einer frühen Phase klären wir defensiv im direkten Umfeld auf – wo massiert der Gegner seine Kräfte tatsächlich. Im Gefecht hingegen geht es direkt gegen die feindlichen Fahrzeuge und Soldaten“, beschreibt ein Drohnenpilot.
Die Taktik geht auf und ist eine neue Erfahrung für die Fallschirmjäger. Je effektiver sie die Drohnen einsetzen, umso gefährlicher sind sie. Ein Lerneffekt, der am Ende des Tages für alle spürbar ist.
Verwundetenversorgung näher an der Front

Auch im Sanitätsdienst fließen Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine in die Übung ein. In der sanitätsdienstlichen Versorgung sind Ärzte, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter als luftbeweglicher Arzt- oder Rettungstrupp in den Fallschirmjägergefechtsverband integriert. Sie stellen die Rettungskette sicher, die Grundlage für den durchhaltefähigen Einsatz der Fallschirmjäger ist.
Die Luftlanderettungsstation ist die erste Station nach der Selbst- und Kameradenhilfe eines verwundeten Soldaten. In nur 30 Minuten ist sie einsatzbereit und sehr nah am Gefecht verortet. Eine Besonderheit in diesem Übungsdurchgang: Sie ist durch ein weiteres Element verstärkt. In dem „kleinsten Operationssaal“ der Bundeswehr sind schnelle, lebensrettende chirurgische Eingriffe möglich. Damit reagiert das Heer auf die Verletzungsmuster aktueller Konflikte weltweit. Das Ziel ist: Blutungen zu lokalisieren, sehr früh zu stoppen und so Leben zu retten.
Die Übung der Fallschirmjäger in Schnöggersburg verbindet viele neue Elemente und zeigt, wie sich das Gefecht verändert hat. Für die Soldatinnen und Soldaten der Luftlandebrigade 1 zählt am Ende, wie tief die roten Kräfte in Schnöggersburg eindringen konnten. Die abschließende Übungsauswertung bilanziert hohe Verluste bei den Verteidigern wie auch bei den Angreifern. Diese Zahlen zeigen, dass die Ansätze in der neuen Gefechtsführung weiterentwickelt werden müssen.
von René HinzFallschirmjäger verteidigen kritische Infrastruktur
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